Gemeinsam für Wildtiere: Österreichische Wildtierstiftung und Tierpark Altenfelden starten Kooperation

Wildtiere sichtbar machen, ökologische Zusammenhänge verständlich vermitteln und das Bewusstsein für Artenvielfalt und Lebensräume stärken: Mit diesen gemeinsamen Zielen starten die Österreichische Wildtierstiftung und der Tierpark Altenfelden eine Kooperation. Informationstafeln im größten privaten Tierpark Österreichs machen künftig auf die Arbeit der Stiftung aufmerksam und eröffnen Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit, ihre Projekte direkt zu unterstützen.

Aus einem Gespräch wird eine Zusammenarbeit

Der Grundstein für die Kooperation wurde bei einem jagdlichen Abend im Rahmen einer Veranstaltung in Linz gelegt. Dort erfuhr Barbara Laher-Hofer, Leiterin des Tierparks Altenfelden, von Maximilian Mayr-Melnhof, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Wildtierstiftung, mehr über die Ziele und Projekte der Stiftung.

Die Idee überzeugte sie sofort: „Ich habe das einfach gut gefunden und mir gedacht, das würde ich gerne unterstützen.“

Aus diesem ersten Gedanken entstand eine konkrete Zusammenarbeit. Künftig informieren Schilder im Jagdkulturmuseum und an einem stark frequentierten Punkt des Tierparks über die Österreichische Wildtierstiftung. Über einen integrierten QR-Code können Besucherinnen und Besucher unmittelbar mehr über die Stiftung erfahren und ihre Arbeit mit einer Spende unterstützen.

Damit wird die Österreichische Wildtierstiftung an einem Ort sichtbar, an dem jedes Jahr zahlreiche Familien, Schulklassen, Naturinteressierte sowie Jägerinnen und Jäger mit Wildtieren und Naturschutzthemen in Berührung kommen.

(c) Altenfelden

Wissen schafft Verständnis

Die Kooperation soll jedoch weit über das Sammeln von Spenden hinausgehen. Im Mittelpunkt steht die gemeinsame Bewusstseinsbildung. Menschen sollen Wildtiere nicht ausschließlich beobachten, sondern auch die Zusammenhänge verstehen, in denen sie leben.

Welche Ansprüche stellen unterschiedliche Arten an ihren Lebensraum? Warum ist biologische Vielfalt so wichtig? Welche Auswirkungen haben Veränderungen der Landschaft? Und welche Verantwortung tragen wir gegenüber Wildtieren und ihren Lebensräumen?

Ein Tierpark bietet gute Voraussetzungen, um diese Fragen anschaulich zu vermitteln. Viele der dort gezeigten Tiere leben in freier Natur verborgen und können nur selten aus der Nähe beobachtet werden. Die unmittelbare Begegnung schafft Aufmerksamkeit und eröffnet die Möglichkeit, auch komplexe Themen verständlich zu erklären.

Dieses Anliegen verbindet den Tierpark Altenfelden mit der Österreichischen Wildtierstiftung. Ziel der Stiftung ist es, Projekte für Wildtiere und deren Lebensräume zu fördern, Wissen weiterzugeben und Menschen für den Schutz der heimischen Artenvielfalt zu gewinnen.

Jagd in ihrer gesamten Verantwortung zeigen

Die Vermittlung von Wissen über Wildtiere und Jagd ist Barbara Laher-Hofer seit vielen Jahren ein besonderes Anliegen. Anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Tierparks wurde 2019 das Jagdkulturmuseum „cultum venandi“ eröffnet.

Das Museum richtet sich bewusst nicht nur an Menschen mit jagdlichem Hintergrund. Es soll auch Besucherinnen und Besucher erreichen, die bisher wenig Berührung mit der Jagd hatten. Dabei wird Jagd nicht auf das Erlegen eines Tieres reduziert, sondern in ihrer gesamten gesellschaftlichen, kulturellen und ökologischen Dimension dargestellt.

Tradition, Verantwortung, Artenschutz, Lebensraumgestaltung und die Sorge um Wildtiere gehören für Laher-Hofer untrennbar dazu. Die Kooperation mit der Österreichischen Wildtierstiftung ergänzt diesen Bildungsauftrag um eine weitere Ebene: Sie zeigt, wie konkrete Projekte zum Schutz von Arten und Lebensräumen beitragen können und weshalb dafür Wissen, Engagement und finanzielle Unterstützung notwendig sind.

Altenfelden: vom Hirschpark zur Artenvielfalt

Der Tierpark Altenfelden blickt auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück. Gegründet wurde er 1969 von Dr. Prinz Reuss. In seinen Anfangsjahren war der Tierbestand vor allem durch Hirsche geprägt.

„Damals war es eine Hirschsammlung, zeitweise sogar die größte Europas“, erzählt Barbara Laher-Hofer.

Später ging der Tierpark an das Land Oberösterreich über, bevor er wieder privat geführt wurde. Heute leitet Laher-Hofer den Betrieb in zweiter Generation. Auf einer Fläche von rund 80 Hektar leben etwa 1.000 Tiere aus rund 190 bis 200 Arten. Damit gilt Altenfelden als größter privater Tierpark Österreichs.

Der heutige Bestand wurde über viele Jahre hinweg aufgebaut. Als Laher-Hofers Vater den Tierpark 1992 übernahm, waren nur noch neun Tiere vorhanden. Danach kam nach und nach eine weitere Tierart hinzu.

Seine Lage abseits großer Städte und direkter Autobahnanbindungen stellte den Tierpark dabei vor besondere Herausforderungen. Altenfelden liegt in keiner klassischen Urlaubsdestination – Besucherinnen und Besucher entscheiden sich daher meist ganz bewusst für die Anreise. Umso wichtiger war es, ein vielseitiges Angebot und zusätzliche Anziehungspunkte zu schaffen.

Neben den nach wie vor zahlreich vertretenen Hirschen zählen insbesondere Raubkatzen, Wölfe und Polarfüchse zu den Publikumslieblingen. Kinder begeistern sich häufig für Tierarten, die besonders flink, neugierig oder zutraulich wirken.

(c) Altenfelden

Naturerlebnis und Bildungsauftrag

Die rund 80 Hektar große und teilweise steile Landschaft bietet besonders für größere Wildarten geeignete Voraussetzungen. Gleichzeitig wurde der Tierpark laufend weiterentwickelt. Neue Anlagen, selten gezeigte Tierarten und ein großer Abenteuerspielplatz ergänzen Bildungsangebote wie den Eulenpfad, den Schmetterlingslehrpfad und das Jagdkulturmuseum.

Das Erlebnis soll jedoch nicht beim Betrachten der Tiere enden. „Ich bin sehr bemüht, Bildung weiterzugeben“, betont Laher-Hofer.

Darin sieht sie eine wesentliche Aufgabe eines modernen Tierparks: Tiere für Menschen sichtbar und erlebbar zu machen, gleichzeitig aber auch ihre Lebensweisen, ihre ökologische Bedeutung und die Herausforderungen für ihren Schutz zu erklären.

Tierparks als Partner im Artenschutz

Neben Naturvermittlung und Freizeitangeboten kann ein Tierpark auch einen unmittelbaren Beitrag zum Artenschutz leisten. Zoologische Einrichtungen bewahren genetische Vielfalt, beteiligen sich an Erhaltungszuchten und können Wiederansiedlungsprojekte unterstützen.

„Ein Tierpark ist nicht nur zum Anschauen da. Wir sind auch ein Genpool“, erklärt Laher-Hofer.

Wie diese Aufgabe konkret aussehen kann, zeigt das Engagement des Tierparks für den Habichtskauz. In Altenfelden werden Jungtiere gezüchtet und anschließend für Wiederansiedlungsmaßnahmen zur Verfügung gestellt.

Solche Projekte können freilebende Bestände gefährdeter Arten stärken. Als bekanntes internationales Beispiel nennt Laher-Hofer das Przewalski-Pferd: Durch die Erhaltungszucht in zoologischen Einrichtungen und spätere Wiederansiedlungen konnten erneut Populationen in der Mongolei aufgebaut werden.

Auch beim Alpensteinbock spielten geschützt gehaltene Bestände und gezielte Wiederansiedlungen eine wichtige Rolle für die Rückkehr der Art in weite Teile des Alpenraums. Für Laher-Hofer zeigen diese Beispiele, welchen Beitrag Tierparks zur Erhaltung bedrohter Arten leisten können.

Respekt beginnt bei den Jüngsten

Besonderen Wert legt Barbara Laher-Hofer auf die Arbeit mit Kindern. Dabei geht es nicht nur um die Vermittlung biologischer Fakten, sondern vor allem um einen respektvollen Umgang mit Tieren.

Viele Kinder hätten heute nur noch wenige direkte Berührungspunkte mit Tierhaltung, Landwirtschaft und der Herkunft von Lebensmitteln. Teilweise fehle das Bewusstsein dafür, woher Milch oder Fleisch kommen und welche Verantwortung mit der Haltung und Nutzung von Tieren verbunden ist.

Der Tierpark kann hier einen Zugang schaffen, der Wissen und unmittelbares Erleben miteinander verbindet. Wer Tiere beobachtet, ihre Bedürfnisse kennenlernt und mehr über ihre Lebensräume erfährt, entwickelt eher Verständnis für die Verantwortung, die Menschen ihnen gegenüber tragen.

(c) Altenfelden

Wo Begegnung zu Verantwortung wird

Genau an diesem Punkt setzt die Kooperation zwischen dem Tierpark Altenfelden und der Österreichischen Wildtierstiftung an. Beide Partner möchten Menschen für Wildtiere begeistern, Wissen vermitteln und zeigen, dass der Schutz von Arten immer auch den Schutz ihrer Lebensräume voraussetzt.

Bewusstseinsbildung entsteht dabei nicht durch erhobene Zeigefinger. Sie beginnt mit Begegnungen, Beobachtungen und Fragen: beim Anblick eines Hirsches, beim Verhalten eines Wolfsrudels, bei einem Habichtskauz aus einem Artenschutzprojekt oder beim Lesen einer Informationstafel über die Arbeit der Österreichischen Wildtierstiftung.

Wildtiere sind mehr als eindrucksvolle Fotomotive. Sie sind Teil komplexer Lebensgemeinschaften und abhängig von intakten Lebensräumen. Jagd, Artenschutz, Tierpark und Bildungsarbeit sind dabei keine Gegensätze. Verantwortungsbewusst und fachlich fundiert können sie einander ergänzen.

Die neue Kooperation trägt dieses Verständnis zu vielen Menschen weiter – und schafft im Tierpark Altenfelden einen zusätzlichen Ort, an dem aus Wissen Wertschätzung und aus Wertschätzung konkrete Unterstützung für Wildtiere entstehen kann.

Fotos: Tierpark Altenfelden